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PL DE UA
Venedig

Auf diesem Bild zu zweit,
mit dem Glanz Venedigs dahinter,
mit den Fassaden, Schönes,
eingewechselt fürs Auge,

wir, Vater und Sohn,
lehnend ineinanderrasen,
wie Schweigen rast,
dabeiseiend weggetreten,
auf der Brücke aus Holz,
klargelegt für Grenzen.

Zu spät, beide der Sprache zu geben,
die Waben sind ausgeleckt.
Daß sie lebendig würden,
an den Boden geheftet!
Auf ihn geschmettert,
wächst nichts mehr hervor.


Vater, Sohn, das leere Bild,
Idioten, sebstgefällt,
zum Spott da, ein Rest,
sich zu erfüllen,
verstreut in der Stadt,
im strahlenden Moder, „denn keiner
trägt das Leben allein“,
zeitlos ohne Dauer.

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Kolleritsch Alfred[autor]

geb. 1931 in Brunnsee, lebt als Schriftsteller und Herausgeber der Literaturzeitschrift „manuskripte“ in Graz. Er war von 1968 bis 1995 Präsident des Forum Stadtpark in Graz. und zählt zu den Gründungsmitgliedern der Grazer Autorenversammlung. Letzte Veröffentlichungen: Tröstliche Parallelen (Droschl, 2006), Schönheit ist die erste Bürgerpflicht. Briefwechsel mit Peter Handke, (Jung und Jung 2008) und Es gibt den ungeheuren Anderen (Droschl, 2013). Preise u. a. Petrarca-Preis 1978, Georg-Trakl-Preis für Lyrik 1987, Franz-Nabl-Preis 2009 und zuletzt Ehrenring des Landes Steiermark 2013.